Schule Hegelsberg wird erste Kreativitätsschule Hessens

 

Modellhaft: die Einrichtung eines Lernateliers nach modernen pädagogischen Grundsätzen

 

Die Auftaktveranstaltung zur Konzeptionserweiterung fand am 11. November 2004 in der Schule Hegelsberg statt. Der renommierte Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Olaf Axel Burow von der Universität Kassel hielt den Einführungsvortrag „Schule als kreatives Feld“. Schulleiter, Direktor Stefan Appel, der mit seinem Kollegium eine deutliche Antwort auf PISA geben will, stellte gleichzeitig das neu geplante „Lernatelier“ vor, das erste seiner Art in Hessen, das von der Einrichtungsfirma CONEN in Gonzerath gesponsert wird.

Kassel. Schule muss sich verändern und den neuen Anforderungen der Zeit stellen, das hatte sich das Lehrerkollegium der Schule Hegelsberg vorgenommen. Schon seit Monaten wurde geplant, recherchiert, diskutiert und beschlossen: Hegelsberg soll Kreativitätsschule Nummer 1 werden. 

Nach der Kasseler Hochschuldevise, dass der Praxisbezug in der Wissenschaft nicht fehlen dürfe, muss auch die Umkehrung gelten: In der Praxis der Schule darf die Wissenschaft nicht fehlen. Prof. Dr. Burow, bekannt durch vielfache Veröffentlichungen zur „Kreativität“, wies in seinem Vortrag darauf hin, dass Kreativitätsförderung in der Schule bedeute, Kinder wie Lehrkräfte dazu zu bewegen, ihre individuellen Fähigkeiten im Schulleben einzubringen. Es komme darauf an, die Unterschiede der Persönlichkeiten als Bereicherung zu sehen. „Kreativität gibt’s nur im Plural“, so der Erziehungswissenschaftler, oder zugespitzt formuliert „biete Ego, suche Team“.

Mit der „Schule als Selbstlerneinrichtung“ befasste sich das Kollegium der Lehrkräfte im Anschluss intensiver. Der neue Schwerunkt des Lernens soll nicht nur eine Bewusstseinsänderung im „Haus des Ler-nens“ bringen, sondern begleitend werden neue Lernstrategien etabliert. 

 

Baustein 1: Das Lernatelier – eine Lernlandschaft für selbstgestaltetes wie auch gruppengeleitetes Lernen.

Direktor Stefan Appel, der bundesweit andere Ganztagsschulen bei der Konzep-tionsentwicklung berät, stellt die Merkmale dieses einzigartigen Lernraumes vor. „Vereinfacht gesagt, handelt es sich bei einem Lernatelier um eine Mischung aus Lernwerkstatt und Mediothek – also um einen erweiterten Raum mit unterschiedlicher Möblierung und neuzeitlicher technischer Ausstat-tung.“ Kinder fänden hier Einzel- und Computerarbeitsplätze, sie könnten recherchieren, projizieren, präsentieren – also einzeln oder in Gruppen selbstständig oder arbeitsteilig arbeiten.

 

Baustein 2: Das Leseintensiv-Programm READ (reading adventure).

Dieses neuartige Konzept für strategisches Lesetraining und Textverständnis, das von den Deutsch-

 

Lehrkräften der Förderstufenjahrgänge in die Schulkonzeption eingebracht wurde, soll Kinder und Jugendliche zur Leseentfaltung bringen. Mithilfe eines „Lesepasses“ wird dokumentiert, wer was und wie viel liest, und die Schule motiviert, berät und bespricht, damit auch alle Schüler/innen sich möglichst vielfältig beteiligen. Eigens für dieses Programm wurden in einem ersten Anlauf 10 Klassen mit eigenen Klassenbibliotheken vom Elternbeirat ausgestattet.

 

Baustein 3: Methodenlernen – das effektive Praxislernen.

Wie lernt man was und wie schnell? Und was bleibt auf Dauer im Kopf hängen? „Wenn Schüler/innen mit Freude lernen sollen und wenn das Erlernte nachhaltig verfügbar sein soll“, so sagt uns der stellv. Schulleiter Alexander Scheuerer, muss man nach neuen Methoden lernen. Das hat die PISA-Untersuchung eindeutig bewiesen.“ Lehrerfortbildung habe an der Schule schon seit langem oberste Priorität, und Kinder müssten diese Lernmethoden auch selbst anwenden können. Damit dies gelinge, erlebten die Klassen nicht nur modernen Unterricht, sondern sie könnten in eigens dafür eingerichteten Methodikstunden ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten schulen.

 

 „Kreativitätsschule erschöpft sich naturgemäß nicht mit diesen Bausteinen“, so der Schulleiter Stefan Appel. Kreativität bedeute, Menschen mit unterschiedlichen Begabungen so zusammenzuführen, dass sie lernen erfolgreich miteinander zu arbeiten. Der Einzelne erfährt in der Gruppe die Anerkennung seines Könnens und erlebt die Verschiedenheit der anderen Gruppen-mitglieder als Bereicherung. Effektives Ler-nen nach den Erkenntnissen der PISA-Ergebnisse bedeute, die unverwechselbaren Fähigkeiten des Einzelnen allen nutzbar zu machen – das sei die Leitlinie modernen Unterrichts. Die Hegelsberger Lehrkräfte sind festen Willens, dieses Konzept in die Realität umzusetzen. Die Nordstadtschule, bereits jetzt „Schule der Region“, die so-wohl von Landkreiskindern als auch solchen aus anderen Stadtteilen Kassels besucht wird, präsentiert sich mit neuem Konzept und neuer Ausstattung somit modellhaft für Kassel und die Region.

 

 

  

 

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