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Die Hegelsbergschule in Kassel wird
Hessens erste Kreativitätsschule. Die Gesamtschule will kreative
Freiräume schaffen, damit die Schüler ihre Stärken entfalten
können. Herzstück ist die Einrichtung eines „Lernateliers", doch
auch Methodenlernen und Leseförderung gehören dazu.
KASSEL •
20. JANUAR - „Das Problem in Deutschland ist, dass immer von den
Schwächen der Schüler ausgegangen wird, nach dem Motto: Das sind
deine Defizite, und die musst du ausgleichen", sagt Stefan
Appel. Der Leiter der Hegelsbergschule ist überzeugt, dass das
umgekehrte Prinzip das richtige ist: Man müsse die Stärken des
Einzelnen ausfindig machen und diese fördern. „Die Stärken des
einen motivieren alle anderen und holen auch deren Stärken
hervor." Wie in einer Jazzband, wo jeder mit seinem
Instrument zum gemeinsamen Ergebnis beitrage, meint Appel. Genau
das sei die Idee der Kreativitätsschule. Die Bezeichnung
„Kreativitätsschule" ist kein geschützter Begriff, sondern ein
Ziel, das sich die Hegelsbergschule freiwillig auf die Fahnen
schreibt.
Kinder wie Lehrer sollen ihre individuellen Fähigkeiten im
Schulleben einbringen. Die Unterschiedlichkeit der
Persönlichkeiten wird als Bereicherung gesehen. Dem Pädagogen
Olaf-Axel Burow von der Universität Kassel ist keine zweite
staatliche Schule in Deutschland bekannt, die diesen Schwerpunkt
gewählt hat. Es gebe lediglich einige private Schulen mit
ähnlichem Ansatz.
Dabei
bräuchte es hierzulande viel mehr Kreativitätsschulen, findet
Burow. Schließlich habe die Pisa-Studie gezeigt, dass das
bürokratisierte Lernen, bei dem Schüler nicht zum kreativen
Problemelösen, sondern zum stupiden Auswendiglernen erzogen
würden, keineswegs zu guten Leistungen führe. „Untersuchungen
belegen, dass Schüler nur das lernen und auch behalten, was für
sie persönlich bedeutsam ist", glaubt Burow. „Alles an-dere
haben sie spätestens nach zwei Jahren wieder vergessen.
Aus dem schlechten Abschneiden Deutschlands bei Pisa würden
die falschen Schlüsse gezogen, meint der Pädagoge: „Die
Bildungspolitiker suchen jetzt das Heil in noch mehr Kontrolle,
Normierung, Standards." Direktor Appel und sein Kolle-gium wollen
die richtigen Schlüsse ziehen und den Schülern möglichst viel
kreativen Freiraum geben.
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Für Stefan Appel heißt das zum einen, für
lebensnahe Lehrinhalte, Methodenvielfalt und die Öffnung der
Schule nach außen zu sorgen. Zum anderen sollen auch die
räumlichen und materiellen Vorausset-zungen geschaffen werden,
damit Schüler gerne und nach ihren Interessen lernen. Herzstück
ist die Einrichtung eines Lernateliers - des ersten in Hessen.
Die Schüler können dort im Internet recherchieren, DVDs und
Videofilme nutzen und auf modernste Präsentationstechnik wie
einen riesigen Computerbildschirm zurück-greifen. Dieser ist
zugleich auch Wandtafel und Schaltfläche.
„Die Multifunktionalität ist das Besondere", betont Stefan
Appel. „Der Raum ist so ein-gerichtet, dass die Schüler einzeln,
in Teams oder im Klassenverband lernen können." Die
PC-Arbeitsplätze werden in den nächsten Tagen geliefert. Nach
der Fertig-stellung soll das Lernatelier den Schülern der
Ganztagsschule von morgens bis zum späten Nachmittag zur
Verfügung stehen.
Doch auch messbare Ergebnisse zählen. Darum ist ein weiterer
Schwerpunkt der Kreativitätsschule das so genannte
Methodenlernen, das in den Klassen fünf und sechs anläuft: Eine
Stunde pro Woche lernen die Schüler das Lernen, also Techniken,
mit denen sie so lernen können, dass es „im Kopf bleibt".
Dritter Baustein ist ein Lese-Intensivprogramm, um Lesetempo und
Textverständnis zu erhöhen. Dazu bekommen die Schüler einen
Lesepass, in dem festgehalten wird, wie viel sie gelesen haben.
Für Olaf-Axel Burow ist das eine gute Mischung. Die besten
Dinge entstünden außerhalb von starren Strukturen, meint Burow
und führt als Beispiel Albert Einstein ins Feld: Der sei
zunächst als Physiker abgelehnt worden und habe die
Relativitäts-theorie in einem kreativen Umfeld außerhalb des
universitären Korsetts entwickelt.
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HEGELSBERGSCHULE
Die 1908 in der Kasseler Nordstadt gegründete
Hegelsbergschule ist seit 1965 Ganztags- und seit 1983
Gesamtschule. 66 Lehrer unterrichten 800 Schüler. Seit Jahren
macht die Einrichtung durch pädagogische Konzepte auf sich
aufmerksam. So können die Schüler nach dem Unterricht aus einem
Angebot von 75 verschiedenen Arbeitsge-meinschaften wählen. prsüm
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