|
Die
Kinder stehen schon ungeduldig an der Tür, bevor der Lehrer
kommt. Was für einen tollen Unterricht haben wir da zu erwarten?
GL heißt der Unterricht und 20 Schüler nehmen schnell Platz auf
den roten Sitzen. Zwei Jungen stellen sich wie abgesprochen auf
die Seite, einer mit dem Stift und der andere mit weißen Karten.
Eigentlich warten sie schon seit vorgestern auf diesen Moment.
Endlich wieder mit dem Smart-Board arbeiten! Die Kinder erklären
uns fachmännisch, wie das Ganze technisch funktioniert. Die
Klassensprecher fangen an. Drei Geräte, die miteinander in
Verbindung stehen: Beamer, Computer und die Tafel - das
sogenannte Smart-Board. Die Kreide wird ersetzt durch einen
dicken Stift, der eine Verbindung zu PC und Beamer herstellt.
Der Stift kann Maus sein und blitzschnell zum Zeichenstift
werden - und als Radiergummi kann er auch benutzt werden.
Eigentlich waren wir die Zaungäste - wir saßen in der letzten
Reihe - und doch wollten wir mitspielen, so hat es uns gepackt:
Einmal mit dem Stift an der Erde drehen dürfen und den Kontinent
aufzeigen, der gesucht wird - auch wenn Kontinente und Länder
dabei schon mal durcheinander gerieten, die Kinder und wir
hatten großen Spaß! Erstaunlich, wie gut die Kinder Bescheid
wuten. Wir waren beeindruckt.
Wo
liegt eigentlich Armenien - wo Marokko und wo der Libanon? Nicht
alle Kinder kommen aus Deutschland - erfahren wir dabei. Aber
auch wir drei sind nicht alle aus Deutschland. Wer weiß, wo
Vietnam liegt? - Die Karte zeigt uns keine Grenzen und auch
keine Namen. - Wo liegt Hanoi?

Alle Kinder wissen es - das bedeutet
eine Chance nach vorne ans Smart-Board zu kommen - erst den
Zauberstift in die Hand nehmen und den virtuellen Globus in alle
Richtungen drehen und berühren dürfen. Egal, auch wenns diesmal
falsch war! |
Für
die richtige Antwort bekommt jede Gruppe - davon gibt es drei -
ein weißes Blatt - jedes Blatt ein richtiger Punkt. Was uns noch
beeindruckt - wie demokratisch es in der Klasse zugeht. Jede
Gruppe entscheidet selbst, wer nach vorne darf. Kein Gestreite
und Geschubse. Schließlich sind wir doch „Erwachsene"! Und jedes
Kind kam mal dran - keins wurde vergessen.
Die Rolle des
Lehrers: Er ist anwesend - aber keineswegs dominant. Wir stellen
fest, dass die Kinder ihn mögen. In so einer Klasse wollten wir
auch noch mal Schüler sein.
So
nützlich ein Lernatelier auch für den Unterricht sein mag: einen
guten Lehrer wird es nicht ersetzen können.
Und
schön ist der große Raum: abgeschieden vom Interaktionsraum mit
Smart-Board gibt es hinter Holz-Trenn-wänden einen
Tisch-Stuhl-Bereich für konzentrierte Projekt-Arbeiten. Eine
Bibliothek lässt erahnen, wie fantasievoll es hier immer zugehen
mag: „Wieviel wiegt die Luft?" Lesen wir auf einem Buchrücken.
Herr Scheuerer - der Lehrer - beklagt allerdings, dass es noch
keinen Internet-Anschluss gibt und dass die PC's auch noch nicht
da seien, was weitere Arbeits-möglichkeiten bieten würde. Der
Raum, so wie er sich uns präsentiert, ist einmalig an Kassels
Schulen und die Ausstattung sowie das Smart-Board wurde von der
Firma CONEN gesponsert.
Bevor
das Stadt-Land-Fluss-Spiel losgeht, müssen wir uns
verabschieden. Schnell noch ein Gruppenfoto vor dem Smart-Board,
auf dem gerade aus der Urgeschichte Tiere einsortiert werden
wollen. Der Stift dient als Angel. Und wenn das Tier zu jung ist
für die anvisierte Zeitzone, flutscht es zurück an seinen Platz.
Wir beschließen, - wenn wir noch mal zur Schule gehen dürften,
dann möchten wir hier in diesem schön gestalteten Raum mit der
angenehmen Lern-Atmosphäre arbeiten. Und wenn wir uns noch was
wünschen dürften, dann möchten wir bei Herrn Scheuerer in die
Klasse gehen. Der gefiel uns nämlich sehr gut!!!
Danke an die
Klasse 5d der Hegelsberg-schule!
Text: Oxana Gasanova, Thangh Ngoc
Nguyen, Gundhild Fischer; Fotos: Oxana Gasanova, Thangh Ngoc
Nguyen
|