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KASSEL.
Entwarnung
in und um Kassel: Verzweifelte Lehrer, die sich - wie jüngst an
einer Berliner Hauptschule - vor ihren gewalttätigen Schülern
fürchten (HNA berichtete) und ihre Schule auflösen möchten, gibt
es bei uns nicht. Die Kasseler Pädagogen sind sich einig: „Wir
haben hier definitiv keine Verhältnisse wie in Berlin oder in den
Staaten", sagt Ma-thias Koch, Schulleiter der Gesamtschule
GeorgAugust-Zinn-Schule in Oberzweh-ren. Tauchen Probleme mit
Gewalt auf, werde sofort reagiert, dass nichts eska-lieren kann.
Vorsorglich gebe es an der GAZ Schulvereinbarungen mit Regeln, die
von Schülern unterschrieben werden müssen. „Das sensibilisiert."
„Wir haben Lehrer mit Mediationsausbildung, die Streitschlichter
unter den Schülern ausbil-den. Zudem verlangt Koch vom Kollegium,
Respekt und Toleranz vorzuleben. Es gebe nicht nur an der GAZ
viele so genannte Unterstützersysteme.
Jutta Baus,
Lehrerin an der beruflichen Martin-Luther-King-Schule, weiß, wovon
sie spricht, wenn sie sagt: „In Kassel geht es vergleichsweise
geruhsam zu". Die Deutsch-, Politik- und Religions-lehrerin hat
in Berlin gearbeitet und sagt: „Da habe ich viel Gewalt an Schulen
mitbekommen, das hat mich sprachlos gemacht." Ganz anders hier.
„Es erscheint einem fast wie ein Stadt-Land-Gefälle, dabei ist
Kassel doch auch eine große Stadt und keine Insel der Seligen."
Sie sei hier „gerne Lehrerin und kein Schüler mache ihr Angst".
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„Wir leben in
Nordhessen in einer Oase", sagt Stefan Appel, Leiter der Schule
Hegelsberg. Nicht einmal südhessische Verhältnisse herrschten.
Verängstigte Lehrer? Appel lacht. „Keine Spur." Wieso auch?
Anonymität gibt es nicht. „Ich kenne alle meine 700 Schüler
persön-lich." Auch sein Kollege Alfred Grysczyk,
Carl-Schomburg-Schule, ist dafür be-kannt, seine Schüler morgens
mit Handschlag zu begrüßen. Die Pädagogen überlassen ihre „Oase"
nicht dem Zufall. An der Schule Hegelsberg in der Nord-stadt mit
einem Ausländeranteil von 46 Prozent existiert ein umfassendes
Hilfs- und Vorsorgesystem. Partnerklassen helfen sich gegenseitig;
verpflichtend sind Arbeitsgemeinschaften für soziales Enga-gement,
Schüler sind in Schulbereichen für Ordnung und Sauberkeit
verant-wortlich. „Da haben wir keine Verstöße." Es gebe effektive
Streitschlichtergruppen und eine fitte Schulsozialarbeiterin.
Zwei
Schulsozialarbeiter sind auch an der Theodor-HeussSchule in
Baunatal tätig. „Die sind sehr wichtig", sagt Schulleiterin Sabine
Schäfer. Gleichwohl gebe es an der 900 Schüler zählenden
Gesamtschule - circa 25 Prozent der Kinder kommen aus
Migrantenfamilien - nur ein „sehr nie-driges Maß" an
Gewaltbereitschaft. „Wenn wir Disziplinprobleme haben, werden
sofort die Sozialarbeiter einge-schaltet", so Schäfer. Man bemühe
sich, Konflikte möglichst präventiv anzugehen. In den Klassen 5
und 6 gehöre Mediation zum Eingangsprogramm.
ARCHIVFOTOS: NH |