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KASSEL. Einmal auf einer Bühne vor zig tausend Menschen stehen,
die klatschen,
"I love you"-Plakate schwenken, hysterisch kreischen und
ohnmächtig werden, obwohl du erst mal nur die Gitarre stimmst. Die dann nach dem Konzert vor deinem Hotel auf dich warten, dir Kuscheltiere schenken und sich nichts sehnlicher wünschen, als dass du ihnen dein Autogramm auf ihr T-Shirt setzt. Einmal Popstar sein. So wie Britney Spears. Oder Rapper wie Eminem oder Souldiva, Rockstar, Pianist, Musicalstar - ganz egal: Einmal erfolgreich und berühmt sein, das ist das Ziel, das jugendliche Nachwuchsmusiker vorantreibt.
Der Traum vom großen Durchbruch - auch Eugen (15), Keyboarder bei der Kasseler
Schülerband "Indigo Dawn" wurde von ihm gepackt. "Wir wollen noch berühmter werden", haben er und die anderen Bandmitglieder sich fest vorgenommen. Noch berühmter, weil die sieben Hegelsbergschüler jetzt schon relativ
bekannt sind. " Cool" heißt ihr selbst komponierter Song, mit dem die Zwölf- bis 18-Jährigen im November 2002 einer der zehn Bundessieger des Wettbewerbs "Schüler machen Lieder" wurden. "Wir haben uns tierisch gefreut und uns wichtig gefühlt. Schließlich haben wir endlich die Bestätigung bekommen, dass das, was wir uns jahrelang erarbeitet haben, gut ist", sagt Sänger Jan Halm und der Rest
der Gruppe nickt zustimmend.
Jetzt haben sich die Ganztagsschüler mit ihrem Mix aus Rock, Pop und Hiphop erneut erfolgreich gegen die gleichaltrige Konkurrenz durchgesetzt. Beim bundesweiten Schooljam-Schülerband-Festival
2002/2003 kam "Indigo Dawn" unter die besten 32 - von insgesamt
über 500 Teilnehmern. Ihr Musiklehrer Günter Flechtner hatte den
Wettbewerb im Internet entdeckt und sofort ein Demotape mit
"Cool" eingeschickt.
"Ich dachte mir, was einmal gewinnt, gewinnt |
vielleicht auch ein zweites Mal", so der Leiter der
Arbeitsgemeinschaft Schülerband. Und es hat funktioniert:
"Indigo Dawn" erreichte die zweite Runde des
Internetportal-Wettbewerbs und musste sich dann zwei Wochen lang beim Online-Voting behaupten. Zum Sieg reichte es zwar nicht,
aber "die Leute, die sich an der Internet-Abstimmung beteiligt haben, haben eh keine Ahnung von Musik", sagt Eugen mit ein
bisschen Trotz in der Stimme. " Wie das Ganze
auch ausgegangen ist, das Schooljam hat die Band unheimlich bekannt gemacht", tröstet Günter Flechtner.
Außerdem konnten die Jungen und Mädchen zumindest Erfahrungen in Sachen Wettbe-werb sammeln." Gerade der erste Contest mit dem anschließenden Workshop in Berlin war sehr lehrreich. Wir bekamen viele Tipps", sagt Günter Flechtner. "Dass wir live auftreten dürfen und mit
den anderen Schülerbands Kontakte knüpfen, das ist das Tolle
an Wettbewerben, was jede Niederlage wettmacht", meint der 16-jährige Jan.
Doch Gewinn bringend sind Nachwuchs-contests nicht nur, was Erfahrungen betrifft: Neben Geld- und Sachpreisen wie Instrumente oder Wochenendworkshops mit irgendwelchen Profimusikern gibt's manchmal sogar Plattenverträge zur Belohnung für das jahrelange Proben. "Die fünf Tage Berlin wurden uns komplett bezahlt - Bahn, Essen, Unterkunft, alles. Damit konnte ich bei meinen Klassenkameraden so richtig angeben", erzählt Schlagzeuger Björn (12) stolz von seinem Gewinn.
Jetzt wollen "Indigo Dawn"" erst mal ihre erste CD aufnehmen, mit der sie sich dann bei den nächsten Wettbewerben vorstellen wollen. Und bis dahin verbarrikadieren sich die sieben weiterhin jeden Mittwoch in der Mehrzweckhalle der Schule Hegelsberg, um ungestört an neuen Songs zu tüfteln und um zu üben, üben, üben. |